Pressemitteilung
Waldspaziergang mit MdB Uwe Feiler zeigt Zielkonflikte der EU-Wiederherstellungsverordnung in der forstlichen Praxis
Waldspaziergang mit MdB Uwe Feiler zeigt Zielkonflikte der EU-Wiederherstellungsverordnung in der forstlichen Praxis
Schönholz, 2. Juni 2026 – Die Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg haben im Rahmen eines praxisorientierten Waldspaziergangs mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Feiler die Auswirkungen der EU-Natur-Wiederherstellungsverordnung auf die forstliche Bewirtschaftung diskutiert. Gastgeber der Veranstaltung war Felix Graf von Baudissin im Forstbetrieb Schönholz. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Vorgaben der Verordnung mit den Anforderungen eines klimaangepassten Waldumbaus, der Eigentumswahrung sowie der regionalen Wertschöpfung vereinbaren lassen.
Anhand konkreter Waldbilder wurden zentrale Spannungsfelder der Verordnung verdeutlicht: von Standortveränderungen durch den Klimawandel über den aktiven Waldumbau bis hin zu Fragen des Verschlechterungsverbots und der Eigentumswirkung. Antonia Bing, Geschäftsführerin der Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg, betonte: „Die Wälder verändern sich bereits heute tiefgreifend durch den Klimawandel. Aufgabe der Forstwirtschaft ist es, widerstandsfähige Wälder für kommende Generationen zu entwickeln – nicht historische Zustände unter veränderten Rahmenbedingungen zu konservieren.“
Am Beispiel von Feucht- und Bruchwaldstandorten wurde deutlich, wie stark sich Wasserhaushalt und Standortbedingungen bereits heute verändern. Sinkende Grundwasserstände und zunehmende Trockenperioden stellen traditionelle Referenzzustände grundsätzlich infrage. Bing unterstrich: „Die Entscheidungen von heute bestimmen die Wälder der nächsten Generation. Diese Entscheidungen müssen sich an den klimatischen Bedingungen der Zukunft orientieren.“
In aktiv umgebauten Mischbeständen mit Douglasie, Lärche und Esskastanie wurde die Bedeutung diversifizierter Baumarten für stabile Waldökosysteme herausgestellt. Gleichzeitig wurde diskutiert, inwiefern die Verordnung den Handlungsspielraum für klimaangepasste Bestandsentwicklung faktisch einschränkt. „Klimastabile Mischwälder entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis langfristiger Investitionen und aktiver Bewirtschaftung.“
Im Rahmen eines Altbestandes mit Habitatbäumen wurde die Rolle freiwilliger Naturschutzleistungen privater Waldbesitzer beleuchtet. Dabei stand insbesondere die Frage im Raum, wie zusätzliche Prüf- und Genehmigungspflichten die Planungssicherheit beeinflussen. Bing warnte vor unbeabsichtigten Steuerungswirkungen: „Freiwillige Naturschutzmaßnahmen benötigen Verlässlichkeit. Wer ökologische Leistungen erbringt, darf daraus keine zusätzlichen Bewirtschaftungsnachteile erfahren.“
Anpassungsfähigkeit als zentrale Zukunftsfrage
An klimaangepassten Versuchsflächen wurde schließlich die Bedeutung flexibler Baumartenwahl für Waldbrandvorsorge und Standortstabilität diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass sich die Anforde-rungen an zukünftige Waldentwicklung zunehmend von historischen Referenzzuständen lösen müs-sen.
„Klimaanpassung erfordert Handlungsoptionen. Die Baumartenwahl der Zukunft muss sich an den Standortbedingungen von morgen orientieren.“
Zentrale Forderungen aus der Praxis
Aus dem Austausch ergaben sich folgende Kernforderungen der Familienbetriebe:
- Klimaanpassung als gleichrangiges Ziel der Wiederherstellung anerkennen
- Mehr Flexibilität beim klimaangepassten Waldumbau ermöglichen
- Rechtssicherheit für aktive Bewirtschaftung gewährleisten
- Freiwillige Naturschutzleistungen schützen und honorieren
- Bürokratische Belastungen begrenzen
- Praxis frühzeitig und verbindlich in die Umsetzung einbinden
Einordnung der EU-Wiederherstellungsverordnung
Die Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg sehen in der derzeitigen Ausgestaltung der EU-Wiederherstellungsverordnung erhebliche Zielkonflikte zwischen Biodiversitätszielen, Klimaanpassung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Antonia Bing fasst zusammen: „Ein statischer Rückgriff auf historische Zustände greift zu kurz, wenn sich die ökologischen Rahmenbedingungen selbst dynamisch verändern. Zukunftsfähige Wälder entstehen durch Anpassung, nicht durch Rückwärtsorientierung.“
Abschluss und Ausblick
Die Veranstaltung endete mit einem gemeinsamen Austausch zwischen Politik, Praxis und Waldbesitzern sowie einem Imbiss in Stölln. Die Familienbetriebe kündigten an, die Ergebnisse in die weitere politische Diskussion auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene einzubringen.
Pressekontakt
Antonia Bing
Geschäftsführerin, Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg e.V.
Tel.: 0151 511 869 96,



