Vom Naturwald zum Wirtschaftswald

Selbst für die Römer waren die dunklen Laubwälder der Nacheiszeit furchteinflößend und unwegsam. Trotz umfangreicher Rodungen wurden aber auch die verbleibenden Waldbestände im Mittelalter noch als menschenfeindlich empfunden.

Übermäßige Holznutzung und Besiedlung führten zu großflächiger Waldzerstörung. So entstand beispielsweise die Lüneburger Heide – heute eine Ikone des Naturschutzes. Vor 300 Jahren setzte der Bergmann Hans Carl von Carlowitz das Gesetz der Nachhaltigkeit durch, damit dem Wald nicht mehr entnommen wird, als nachwächst – eine geordnete Waldwirtschaft begann.

Erst als der Wald zum Forst wurde, verlor er seine Bedrohlichkeit. Dieses Waldbild ist bis heute Bestandteil unserer reich strukturierten Kulturlandschaft, die zum Inbegriff von Heimat wurde. Nicht zufällig entstand die deutsche Waldromantik in der Zeit, als der Wald für die Menschen erlebbar wurde.

Neues Waldbild 
für mehr Artenvielfalt

Der unberührte Wald ließ kaum Licht auf den Boden kommen. Dies führte zu deutlicher Artenverarmung. Allein Naturkatastrophen griffen so in den Wald ein, dass sein Blätterdach auf großer Fläche zusammenbrach. Doch durchsetzungsstarke Laubbäume, wie die Buche, dominierten den folgenden Aufwuchs und führten erneut zum Abdunkeln des Bodens.

Mit dem Beginn unserer nachhaltigen Forstwirtschaft und begleitet von einer, in der ganzen Welt geachteten, Forstwissenschaft, entwickelte der „künstliche“ Wald eine ungeahnte Artenvielfalt von Pflanzen und mit ihnen vergesellschafteten Tieren – von Insekten, Amphibien hin zu einer bunten Vogelwelt und Vielfalt an Klein- und Großsäugern.

Artenvielfalt kann 
man messen

Langzeiterhebungen kommen zu dem Ergebnis, dass der Wirtschaftswald mehr als doppelt so viele Pflanzenarten beherbergt als ein sich selbst überlassener Wald. Gleichzeitig hat der Wirtschaftswald seine Eigenschaft als Genpool für die Baumarten aus der Frühgeschichte unseres Landes nicht verloren.

Kleinräumige Eingriffe, etwa durch Holzeinschlag und Waldpflege, lassen die Natur mit ihren eigenen Kräften darauf reagieren. Selbst Waldwege schaffen Lebensräume. Sie tragen das Arteninventar der Offenlandschaften in den Wald.

Diese Ergebnisse werden schnell plausibel, wenn man sich die Abläufe im Wirtschaftswald vor Augen führt. Die mosaikartigen Eingriffe – hier eine Pflanzung, dort ein Holzeinschlag, hier eine Waldwiese, dort ein Holzlagerplatz – bieten eine Vielzahl an Lebensräumen, viel mehr als ungenutzte, dunkle Wälder.

Erhalt des Kulturgutes 
Artenvielfalt

Es mag Gründe geben, Waldflächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen, die Artenvielfalt fördert dies jedoch nicht. Die großflächige Stilllegung intakter Wirtschaftswälder verursacht vielmehr einen nicht zu verantwortenden volkswirtschaftlichen Schaden, wenn der nachhaltig erzeugte Rohstoff Holz verloren geht.

Die Forstwirtschaft ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit, die Natur und Mensch in Einklang bringt und die Artenvielfalt dauerhaft sichert. Gäbe es unsere nachhaltige Forstwirtschaft nicht – man müsste sie erfinden.

Multifunktional

Forstwirtschaft „stört“ die Natur auf begrenzter Fläche, erhält das Ökosystem Wald aber im Ganzen. Durch solche Störung entfaltet die Natur neue Kräfte und reagiert mit zusätzlichen Arten.

Waldwege

…sind an Naturvielfalt kaum zu übertreffen, da viele Einflüsse von außen auf sie einwirken. Sie bringen von Trockenrasengesellschaften bis zu denen von Feuchtgebieten so ziemlich alles in den Wald, was die Natur hergibt.

Große Wirkung


Im Ökosystem Wald vollzieht sich kleinräumig ein ständiges Entstehen und Vergehen. Durch Bewirtschaftung zufällig entstehende Wasserlöcher reichen aus, um die verschiedensten Amphibien anzuziehen. Irgendwann verschwindet solch ein Biotop, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen.

Forst ist Heimat

Mit kaum etwas verbindet der Mensch mehr Heimat als mit dem Wald, in dem er sich geborgen fühlt. Obwohl von Bewirtschaftung geprägt, wird er in seiner Vielfalt vom überwiegenden Teil der Gesellschaft als Inbegriff von Natur empfunden.

Wer tiefer einsteigen will:

Mit freundlicher Unterstützung von:

Herausgegeben durch:

Quelle: Sonderdruck Große Artenvielfalt im Wirtschaftswald – 
Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen

Sie beruhen auf Ergebnissen zweier Forschungsvorhaben zur Artenvielfalt im Wald von Prof. Gerhard Hofmann (Waldkunde-Institut Eberswalde) sowie von Prof. Christian Ammer (Universität Göttingen).

Die Aufsätze wurden von der AFZ – Der Wald zur Verfügung gestellt.
Text und Gestaltung: Dr. Nina Krüger, Dr. Eberhard Lasson
Fotos: Pixabay (Schmetterling, Molch, Frischlinge, Specht), M.Meyer (Waldweg)